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Artikel vom 21.03.2023

Deutschlandticket: ÖPNV-Flatrate nur nach erfolgreicher Schufa-Prüfung?



Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit - eine erfolgreiche Kombination, wie der gigantische Run auf das 9-Euro-Ticket im Sommer 2022 zeigte. Das schrie nach einer Nachfolgeidee: Nach zähen Verhandlungen heißt das Ergebnis nun 49-Euro-Ticket. Bundesweit im Nahverkehr geltend, soll es zum 1. Mai starten. Aber wie sozial gerecht ist es? Vor dem Erwerb ist ein Schufa-Check zu bestehen. Und ist die Bonität schlecht, platzt der Plan von kostengünstiger Mobilität.

Deutschlandticket nur mit positiver Bonität?

Über 52 Mio. Menschen kauften das 9-Euro-Ticket von Juni bis August 2022 als Monatsabo, ließen das Auto stehen und stiegen auf Bus und Bahn um. Dank 9-Euro- Ticket eröffnete sich für viele Ärmere sogar die Chance, erstmalig Urlaub zu machen. Doch anders als seinen Vorgänger gibt es das 49-Euro-Ticket nicht am Schalter oder Automaten, sondern nur im Abo, monatlich kündbar. Vorausgesetzt, der Kunde hat die Schufa-Abfrage der zuständigen Verkehrsbetriebe erfolgreich durchlaufen. Je niedriger der Schufa-Score, desto wahrscheinlicher, so die Bahn, dass ein Fahrgast das gebuchte Abo nicht zahlen kann - und die SEPA-Ticket-Lastschrift beim monatlichen Bankeinzug uneingelöst zurückgeht. Dass auch die Zahlung per Kreditkarte angeboten wird, dürfte Verbrauchern mit schlechter Bonität wenig helfen, weil sie auf solche Zahlungsmittel ohnehin keine Chance haben. Allein Kunden, die schon einen Abo-Vertrag bei einem Verkehrsdienstleister haben, könnten beim Wechsel ohne Schufaprüfung mit durchrutschen.

Hier mit, dort ohne: Nicht jeder Verkehrsverbund prüft

Also richten sich die Deutsche Bahn und ihr Zahlungsdienstleister Logpay, bundesweit in über 250 ÖPNV-Shops im Einsatz, mit dem Deutschlandticket nur an zahlungskräftige Verbraucher, die auf Ticket-Preisvorteile weniger angewiesen sind. Weil nur solche Bonitätsprüfungen mit Bravour bestehen. Die Gruppe aus prekären Verhältnissen, mit einem hohen Anteil Überschuldeter, geht bei bezahlbarer Mobilität leer aus. Etwas, das auch der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, kritisiert: Was sich Ticket für alle nenne, müsse auch für jeden zugänglich sein. Dass die Schufa-Check-Hürde nicht überall gleich streng gehandhabt wird, macht die Sache nicht besser. Deutschland ist beim Thema Ticketkauf ein chaotischer Flickenteppich, an dem jeder webt, wie er will. So planen z. B. die Münchner Verkehrsbetriebe, der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart, die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg oder der Hessener Rhein-Main-Verkehrsverbund eine Bonitätsprüfung. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hingegen bekräftigen, das Deutschlandticket sei für alle zugänglich, auch für Menschen mit negativer Schufa.

Deutschlandticket ohne Schufa-Prüfung kaufen, geht das?

Der Zahlungsdienstleister Klarna ist bekannt dafür, auf Bonitätschecks ungern zu verzichten. Ausnahme: Das aktuelle Pilotprojekt von Klarna und Schufa, wobei der Effekt auf den Schufa-Score für sechs Monate ausgesetzt wird, also keine Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit zu befürchten sind (mit Ausnahme von Ratenkauf). Unter dem Motto Buy Now Pay Later wollen beide Unternehmen testen, welche kreditorischen Daten im Umfeld von Rechnungs- und Ratenkauf Überschuldung datenschutzkonform entgegenwirken - und daher der Schufa übermittelt werden können. Wer sein Deutschlandticket via Klarna kaufen will, muss also zumindest in den Anfangsmonaten keine Auswirkungen einer Bonitätsprüfung fürchten. Ganz verzichtet derzeit das Verkehrsunternehmen TransDev (deutschlandticket.de) auf die Schufaprüfung - und bietet das Ticket gegen Vorkasse an, um Zahlungsausfälle zu umgehen.

Selbstauskunft anfordern, denn falsche Daten sind schlecht für den Score

Durch Banken gekündigte Kredite, Einträge im Schuldnerverzeichnis und offene Rechnungen und Mahnungen schaden der Bonität und senken den Scorewert. Auch Insolvenzverfahren stehen für ein erhöhtes Ausfallrisiko. Falsche und veraltete Einträge sind ebenfalls schlecht für die Scorewert-Punktzahl zwischen 0 und 100. Wer eine Schufa-Selbstauskunft anfordert, kann prüfen, ob alle Daten korrekt sind. Schufa-Einträge beglichener Forderungen unter 1.000 Euro muss die Schufa übrigens auf Anfrage sofort löschen. Es macht also Sinn, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung dazu aufzufordern! Kreditanfragen werden taggenau nach zwölf Monaten gelöscht.

Ist Ihr Score gut genug für das Deutschlandticket?

Der Score-Simulator der Schufa erklärt lediglich das Scoring-Prinzip anhand der Hauptfaktoren, die über den Schufa-Score bestimmen. Der Simulator ordnet den Verbraucher einer von fünf Scoreklassen für eine Ersteinschätzung zu. Mit dem echten Score dagegen ist der Basisscore gemeint, der eine branchenübergreifende Einschätzung der Bonität erlaubt, weil er alle Branchenscores einbezieht. Seine Berechnung erfolgt einmal im Quartal auf Grundlage der Daten, die die Schufa über Sie gespeichert hat. Um Ihren zeitaktuellen Basisscore zu bekommen, können Sie eine kostenlose Datenkopie gem. Art. 15 DSGVO bestellen.

49-Euro-Ticket: Aus Papier, am Schalter, barrierefrei statt nur digital?

Verkehrswende voranbringen und Fahrgäste entlasten: Lobenswerte Ziele, vor deren Erreichung noch manches offen ist. Wie die Frage, ob es das Deutschlandticket wirklich in Papierform am Automaten geben wird; Verkehrsverbünde und Bundesländer beraten dazu noch. Derweil läuft der Vorverkauf bzw. die Vorreservierung bei einigen Verkehrsunternehmen bereits über die Deutschlandticket App. Leider kann trotz digitaler Bereitstellung nicht mobil über Apple Pay, Google Pay oder PayPal gezahlt werden. Und laut Deutscher Bahn soll das 49-Euro-Ticket nicht nur über Kanäle wie bahn.de und DB Navigator App, sondern auch in DB-Reisezentren zu kaufen sowie in Form einer Chipkarte verfügbar sein. Denn lange schon hatten Verbraucherzentralen kritisiert, dass der digitale Kauf barrierefreier Nutzung für alle entgegensteht. Während die Linkspartei die Höhe von 49 Euro bemängelt: Zu hoch für einen ÖPNV als Fortbewegungsmittel für alle!

Deutschlandticket durch Steuermittel subventioniert

Laut Bahn AG sollen Bonitätsprüfungen das Risiko von Betrugsversuchen und Zahlungsausfällen auf ein Minimum herunterfahren. Diskutiert wird dabei die Alternative, das Deutschlandticket am Schalter zu kaufen und gleich für ein ganzes Jahr zu bezahlen - bar oder mit der EC-Karte. Ein No-Go für finanziell Schwache, da damit weder eine gezielte Nutzung in ausgewählten Monaten, noch eine Kündigung möglich ist. Eigentlich ein Unding: Schließlich beteiligen sich Bund und Länder mit je 1,5 Miliarden am 49-Euro-Ticket. Subventionen aus Steuermitteln - Steuern, die alle zahlen. Was auch berufstätige Verbraucher mit schlechter Bonität zwingt, etwas mitzufinanzieren, dessen Nutzung man ihnen als Steuerzahler verweigert.


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