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Artikel vom 25.01.2022

Unternehmer im Spotlight: Schufa nutzt Personendaten zur KMU Bonitätsprüfung



Den einen gilt sie als Datenkrake, vielen anderen aufgrund ihres konkurrenzlos umfangreichen Datenschatzes als wertvolles Prüfinstrument. Die Schufa, Deutschlands bekannteste Wirtschaftsauskunftei, bewertet nicht nur die Bonität privater Verbraucher, sondern auch Unternehmen im B2B-Kontext. Verstärkt im Fokus: Die Inhaber von Unternehmen höchstpersönlich!

Schufa verknüpft KMU Inhaberdaten und Firmendaten

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, die Schufa Holding AG, wertet die Daten von Inhabern aus und verknüpft sie: Wie hoch sind die Ausfallquoten? Und was wissen wir über den Inhaber selbst? Genauso wie private Verbraucher bringen hier fehlerhafte, veraltete oder unvollständige Einschätzungen auch Unternehmer in Schwierigkeiten. Kunden der Schufa sind Banken, Telekommunikationsunternehmen, Onlinehandel und weitere Dienstleister, die als Vertragspartner eine Vielzahl an Daten abrufen. Doch während Privatleute auf Unterstützungs- und Informationsangebote von Verbraucherzentrale oder Verbraucherportalen zugreifen können, sind derartige Angebote für Mittelständler dünn gesät. Obwohl gerade eine solide Bonitätsbewertung für Unternehmer essentiell ist, um handlungsfähig zu bleiben: Ohne diese sind nicht nur Kredite und Lieferketten gefährdet, sondern auch Aufbau und Pflege von Geschäftsbeziehungen.

Bedeutung der Schufa im Zuge von Corona gestiegen

Die Schufa gehört fest zum Alltag: Jeder, der online auch nur einen Bleistift bestellt, akzeptiert mit den AGB die Schufa-Klausel - und erklärt sich einverstanden, dass seine Daten zur Bonitätsprüfung dorthin weitergeleitet werden. Längst komme ich als Unternehmer nicht nur mit der Schufa in Berührung, wenn ich Bestellungen tätige, ein Geschäftskonto eröffne oder einen Antrag auf Kontokorrentkredit stelle. Im Zuge von Corona hat sich die Bedeutung der Schufa weiter erhöht: Soll ein Schnellkredit der KfW-Bank gewährt werden, ist die Auskunftei mit im Boot; Bank oder Sparkasse verzichtet wegen der Risikofreistellung auf die sonst übliche Kreditrisikoprüfung. Trotzdem erhalten nur Unternehmer in Not Kredit, die sämtliche Voraussetzungen für die Kreditvergabe erfüllen. Kurz gesagt: Was im Kreditantrag steht, wird nicht ungeprüft abgenickt, sondern geschaut: Stimmen alle Angaben - oder riecht etwas nach Betrug?

Zahlen mit Topi - weil Bonitäsprüfungen von Firmen kompliziert sind?

Innovative Start-Up Ideen wie die des Fintechs Topi versprechen Mittelständlern und Kleinunternehmen das Leben durch einfache Kredit- und Bezahlkonzepte leichter zu machen. PayPal für Unternehmen soll B2B-Bezahlprozesse revolutionieren. Statt aufwändigen Papierkram zu erledigen, sollen sich Finanzierungsmöglichkeiten per Klick eröffnen - in Echtzeit. Zahlen mit Topi? Finanzierung für ein, drei oder fünf Jahre? Topi scort das Unternehmen direkt, zahlt bei festgestellter Kreditwürdigkeit die gewünschten Produkte - während der Unternehmer die Ware in Kreditraten abstottert. Das Argument: Jeder normale Onlinekäufer könne zwischen vielen Bezahloptionen wählen, während Unternehmer oft nur die Wahl zwischen Rechnung oder Vorkasse hätten. Wer als Inhaber Käufe finanzieren wolle, sei auf sich allein gestellt. Topi verspricht, sich zu kümmern: Während es dank Schufa leicht sei, die Bonität privater Verbraucher zu ermitteln, sei die Bewertung im Unternehmenskontext schwierig, da man zuweilen auf jahrealte Geschäftsberichte zurückgreifen müsse. Nun - wie wir aktuell wissen, ist die Schufa nicht von gestern, sondern verfügt sehr wohl über umfangreiche einschlägige Personen- und Unternehmensdaten zur nahezu lückenlosen Bewertung von Firmen.

B2B-Plattform-Idee(n): Vorteilhaft oder neue Abhängigkeiten?

Plattformen wie Topi sehen sich als Helfer für Mittelständler und Enabler für Retailer. Während Händler verschiedener Industrien dort sehen könnten, ob sie einem bestimmten Geschäftskunden ein neues Modell oder Upgrades offerieren sollten, hätten die Kunden alle Käufe im Überblick und könnten sich größere Investitionen leisten. Alter Wein in neuen Schläuchen? Zweifel, ob solche Modelle zum Unternehmervorteil sind, sind angebracht. Auch hier müssen B2B-Geschäftspartner erst einmal die Bonitätshosen runterlassen, bevor sie bei Topi durchstarten können. Sollten Inhaber sich beim Thema Kreditvergabe wirklich vom Wohlwollen von Plattform-Geschäftspartnern abhängig machen, statt zur Bank zu gehen? Wer einfach weiter per Vorkasse zahlt, braucht all dies nicht.

Zahlungsmoral: Wie der Inhaber, so die Firma

Denn noch vor kurzem hielt sich an Auskunfteien wie Creditreform oder CRIF-Bürgel, wer Auskünfte zu Firmen brauchte. Jetzt holt die Schufa auf: Schließlich verfügt sie, anders als ihre Auskunfteikonkurrenz, über deutlich mehr Datenmaterial zu den Unternehmern als Person. Grund genug, von der Zahlungsmoral des Inhabers auf das Verhalten im Unternehmenskontext zu schließen. Aber was kalkuliert die Schufa bei Privatleuten eigentlich? Tatsächlich nicht nur einen, sondern zwei verschiedene Scores: Neben einem Basisscore auch einen Branchenscore, je nach so genannter Kaufsache, klassifziert nach online bzw. im Großhandel erworbenen Artikeln oder in Anspruch genommenen Bankkrediten. Sie haben einen privaten Score von 90 bis 95? Das klingt doch gut? Ruhen Sie sich nicht darauf aus. Untersuchungen zeigen, dass hier Geschäfte bereits erschwert sind.

Kreditausfallrisiko nach Inhaberscore und Unternehmenstyp

Zwar wurde ein Scorewert von 100 in der Praxis noch nie erreicht. Aber ein Wert, der mit 95 bis 90 nur knapp an perfekter Bonität vorbeischießt, attestiert Ihnen dennoch nur ein zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko. Wer nur bei 90 bis 80 Prozent punktet, gilt als erhöhtes bis hohes Risiko. 80 bis 50 Prozent ? Damit sind Sie als Unternehmer praktisch bewegungsunfähig. Denn diese Schufa-Risikostufe steht für ein "sehr hohes Risiko der Zahlungsunfähigkeit". Nur bei einem Score über 95 gilt ein Kreditausfallrisiko als "sehr gering bis überschaubar". Die Unternehmen selbst bewertet die Schufa mit speziellen Skalen, je nachdem, ob kleingewerbetreibende, Freiberufler oder registergeführte Unternehmen. Zählt Ihre Firma zu letzteren, sind Sie bei einem Wert von 100 bis 250 sprichwörtlich im grünen Bereich.

Firmeninhaber: Nicht im Dunkeln tappen ...

... sondern Auskunftsrecht nach der Europäischen Datenschutzgrundverodnung (EU DSGVO) wahrnehmen! Als Privatperson, um etwaige Fehler der Schufa Selbstauskunft korrigieren zu lassen. Direkt verknüpft mit der EU DSGVO ist das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG): Für Unternehmer ist hier besonders § 31 interessant, zum "Schutz des Wirtschaftsverkehrs bei Scoring und Bonitätsauskünften". Worauf Unternehmer angesichts der Tatsache, dass die Schufa im Rahmen der Bonitätsprüfung Personendaten verknüpft, sonst noch achten müssen, weiß der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), der die Interessen von 900.000 Unternehmern in Deutschland vertritt.

Machen Sie vom Recht auf Selbstauskunft Gebrauch

Gem. Artikel 15 DSGVO können Sie mindestens einmal jährlich eine komplette Übersicht Ihrer bei der Schufa gespeicherten Daten in Kopie anfordern. So haben Sie die Kontrolle - und wissen alles, was Banken oder Geschäftspartner auch zu Ihnen wissen. Wer sich darüber hinaus auf der Website der Schufa registriert, ist immer direkt informiert, sobald jemand Ihre Daten anfordert, um Ihre Bonität zu beleuchten. Fazit: Statt reaktiv zu handeln und Schadensbegrenzung zu betreiben, sollten Unternehmer proaktiv mit der Schufa umgehen!


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