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Artikel vom 07.02.2023

Schufa kauft Bonify: Mehr Transparenz, mehr Kontrolle für Verbraucher?



Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei hat ihren Einflussbereich erweitert: Bonify gehört jetzt der Schufa. Damit, so das Versprechen, soll die Einsicht in Bonitätsdaten einfacher und transparenter werden - mit der Möglichkeit, aktiv Einfluss auf den eigenen Schufa-Score zu nehmen. Was ist genau geplant?

Schufa kauft Fintech Finanzplattform Bonify

Seit Ende 2022 hält die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, alle Anteile an der Forteil GmbH, die hinter Bonify steht. Die Selbstauskunft zu Bonität und Scorewert soll vereinfacht werden. Die Erfindung des Schufa Score-Simulators mit dem erklärten Ziel, die Score-Bewertungskriterien transparenter zu kommunizieren, war der erste Schritt. Eine Simulation allerdings, die den tatsächlichen Scorewert, der im wahren Leben über Vertragsablehnungen entscheidet, nicht verriet. Nägel mit Köpfen machte die Schufa mit dem Kauf des Berliner Fintechs Forteil. Dieses betreibt die Plattform Bonify, die Dienste für private Verbraucher anbietet, die ihre Finanzen im Griff sowie einen Überblick über ihre Bonität haben möchten. Hierbei arbeitete Bonify bereits mit eigenen Bonitätskennzahlen.

Kostenloser Schufa-Basisscore gegen Daten-Okay

Wie gut wird meine Bonität von Banken, Telefonanbietern und Unternehmen eingeschätzt? Falls Sie sich das fragen: Ab Ende Juni 2023 können Sie als Verbraucher Ihren Schufa-Basisscore kostenlos checken, ohne Umweg über die Schufa, sondern mithilfe der Bonify-App. Eine abgespeckte Selbstauskunft-Version, der Schufa-Basisscore, wird kostenlos angezeigt. Im Gegenzug müssen Bonify-Nutzer der Übermittlung ihrer Daten an die Konzernmutter Schufa zustimmen. Außerdem bietet das Bonify-Cockpit an, finanzielle Entscheidungen als Trockenübung durchzuspielen: Wie steigt oder fällt mein Score, wenn ich diesen Kredit aufnehme, jenes Finanzprodukt kaufe etc. Falls Sie nicht auf die Bonify-App warten möchten, können Sie eine Schufa-Selbstauskunft - eine so genannte Datenkopie gem. Art. 15 DSGVO - kostenlos beantragen.

Bonify-Cockpit um Bonität selbst zu steuern

Seit langem wird die Schufa für ihre Intransparenz beim Umgang mit Bürgerdaten kritisiert: Die Schufa verfüge über ein flächendeckendes Bürger-Ratingsystem, das Existenzen zerstöre. Also verspricht die Wirtschaftsauskunftei mehr Transparenz und Kontrolle: Hat jeder Verbraucher sein eigenes Bonify-Datencockpit, kann er, so die Botschaft, auch Daten ergänzen, um die eigene Bonität zu pushen. Damit will die Schufa auch Menschen ansprechen, die bisher wegen negativer Zahlungserfahrungen nicht voll am Wirtschaftsleben teilhaben können. Und lobt sich für die unerwartet schnelle Einführung dieser digitalen Selbstauskunft-Idee, die, so Schufa-Chefin Birkholz, eigentlich noch ein Jahr dauern sollte.

Datenpool wächst - dank Bonify

Im Ergebnis wird sich der Schufa-Datenpool - wenngleich Bonify rechtlich ein eigenständiges Unternehmen ist - so weiter vergrößern. Und zwar durch die kostenlose Mithilfe der Bonify-Nutzer. So wird es zwar für Verbraucher einfacher,
Daten selbst zu liefern. Aber wer ausdrücklich zustimmt, dessen Daten werden länger als nur bis zum Ablauf gesetzlicher Fristen gespeichert. Die Schufa hält dagegen: Dort müsse man zahlreiche Daten aus Datenschutzgründen ohnehin direkt löschen - ganz offiziell auch positive Einträge wie fristgerechte Kreditrückzahlungen nach drei Jahren. Mit Bonify besteht nun die - für die Schufa rechtssichere - Option, den eigenen Score zu verbessern: Indem man freiwillig der Speicherung solcher Positivmerkmale zustimmt - und kreditrelevante Daten wie Kontostand oder laufende Einnahmen zur Verfügung stellt. Was macht Bonify für den Auskunftei-Giganten so interessant? Nach eigenem Bekunden soll diese Art der Datenbereitstellung Verbraucherbedürfnissen beim Thema Selbstauskunft besser gerecht werden. Aber profitieren wird die Schufa finanziell wohl, indem sie mit Verbraucherdaten handelt - denn nur die Abfrage des Basisscores wird kostenlos sein.

Ab 2024 alle Score-Daten per Bonify abrufbar

Bonify Gründer Bermig freut sich, den wichtigsten deutschen Score integrieren zu dürfen. Bis Ende 2023 will die Schufa Verbrauchern dann sämtliche scorerelevanten Infos via Bonify zur Verfügung stellen - wie Daten zu Girokonten, Kreditkarten, Ratenzahlungsverträgen, Zahlungsausfällen, Bürgschaften u. v. m. Auch eine App für Schuldnerberatungen ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Das Datencockpit soll ab spätestens 2024 zur festen Größe werden. Derweil lässt die versprochene Transparenz lässt weiter auf sich warten: Wer seinen Score verbessern will, möchte auch wissen, wie er im Detail zustande kommt. Aber genau das - die Berechnung des Algorithmus - bleibt weiter im Dunkeln. Und handelt es sich beim Schufa-Scoring um eine unzulässige, weil automatisierte Entscheidung? Ein Urteil des EuGH dazu steht noch aus.


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