Artikel vom 31.03.2015

Selbstauskunft: Polizist bekämpft Schufa



Dies ist die Geschichte des Berliner Polizisten Philipp Hommelsheim und seines Kampfes gegen das System der Schufa. Eine Selbstauskunft des 27-Jährigen ergab, dass jener stets seine Verpflichtungen beglichen hat und nirgendwo in der Kreide steht. Trotzdem wollen ihn beispielsweise Online-Bezahldienste nicht haben, weil seine Schufa-Überprüfung ergeben soll, dass der Beamte nicht kreditwürdig ist.

Selbstauskunft ohne Ergebnis
Hommelsheim, der neben seiner Arbeit berufsbegleitend studiert und sehr interessiert am System der Auskunftseien ist, machte sich auf die Suche nach den Gründen. Augenscheinlich wären sogar ein paar Erklärungen in Frage gekommen: Der Berliner hatte zeitweilig drei Girokonten, zwei Handyverträge und nutzte Carsharing-Angebote, um sich in Berlin vorwärts zu bewegen. Zudem gilt er mit 27 Jahren noch als Berufseinsteiger. Das Problem: Diese Umstände gelten schon seit geraumer Zeit. Bis Herbst 2014 hatte dies das Schufa-Scoring jedoch nicht gestört. Erst dann stürzte es ab.

Nutzt Schufa das verbotene Geodaten-System?
Tatsächlich hatte sich für Hommelsheim im Herbst 2014 etwas geändert: Seine Adresse. Der Polizist zog vom Berliner Stadtteil Wilmersdorf nach Kreuzberg. Ersterer gilt als sehr gutes Viertel, der letzte hingegen nicht. Allerdings ist es der Schufa nicht erlaubt, Geodaten auszuwerten, um zu ihrem Scoring zu kommen. Aus diesem Grund stellt sich die Frage: Weshalb stürzte das Scoring zeitgleich mit dem Umzug des 27-Jährigen ab, der bislang noch nie auch nur einen Cent zu spät bezahlt hat?

Maschine bezwingt Mensch
Für Experten des Schufa-Systems ist es nicht ungewöhnlich, dass solche Fälle wie der von Hommelsheim passieren können. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix erklärte beispielsweise im Gespräch mit der "Berliner Morgenpost", dass es zahlreiche Beschwerden gebe. Immer wieder treffe die Schufa unsinnige Entscheidungen, die das Leben der Menschen nachhaltig zum Schlechteren ändere. Denn die 8500 Firmen, die mit der Schufa kooperierten, wollten sich mit diesen Phänomenen, wie sie bei Hommelsheim aufgetreten sind, gar nicht erst befassen. Sie interessiere nur, was am Ende als Ergebnis der Maschine, welche die Zahlen berechne, herauskomme.

Dies musste auch der 27-jährige Polizist lernen: Hommelsheim suchte die Schufa auf und fragte, was er ändern könne, um sein Scoring positiv zu beeinflussen. Die für ihn niederschmetternde Antwort lautete: Nichts. Der Beamte hatte ja schon all seine Rechnungen pünktlich bezahlt und ist schuldenfrei. Dem Fazit von Hommelsheim, dass "hier ein Fehler im System ist", mag man an dieser Stelle kaum widersprechen.

Passend zum Thema:

SCHUFA - Streit um Scoring geht in die nächste Runde
BKK fragt Schufa-Daten ab - Linke will Schufa stärker regulieren
Selbstauskunftspflicht für Crowdfunding-Plattformen: Neues Gesetz auf dem Weg
Obskure Abmahnpraktiken sorgen noch immer für Verunsicherung
Schufa gründet die WirtschaftsWerkstatt für Jugendliche
Wohnungssuche: Bestellerprinzip macht Selbstauskunft zur informellen Pflicht
Gericht: Ungenaue Fragen in der Selbstauskunft können Restschuldbefreiung nicht gefährden
Das große Geheimnis des Scorewerts
Neuer Service: SCHUFA will Opfern von Identitätsdiebstahl helfen
Bei falschem SCHUFA-Eintrag nicht mit dem Jedermann-Konto abspeisen lassen
AGB |  Datenschutz |  Hilfe |  Impressum |  Kontakt |  Login |  Nutzungsbedingungen  | Preise  | Rechtliches

Alle Angaben ohne Gewähr
*Alle Preise in Euro inkl. der jeweils geltenden gesetzl. MwSt. soweit diese anfällt
¹Die angegebenen Preise können sich seit der letzten Aktualisierung dieser Webseite verändert haben.
Selbstauskunft.com ist unabhängig und steht mit keiner Auskunftei in Verbindung