Artikel vom 30.10.2017

EOS Studie 2017: Schulden machen? Ungern, aber unvermeidlich

Deutschland im Zinstief: Noch nie war es so günstig, sich Extrawünsche zu erfüllen. Die neue EOS Schuldenstudie enthüllt die Kreditmoral deutscher Darlehensnehmer, im Vergleich zu Russen und US-Amerikanern: Wofür leihen sie sich Geld, wie viel zahlen sie zurück und wie geht es ihnen damit?

EOS Schuldenstudie: Wofür verschulden sich die Deutschen?

Im Rahmen einer repräsentativen Online- Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa von August bis September 2017 deutsche Erwachsene zwischen 18 und 69 in Deutschland (2.017), Russland und den USA (je 1.005) zu Finanzierungssituation und Umgang mit Schulden. Dabei spricht die Studie dann von "Personen mit Schulden", wenn diese einen oder mehrere Ratenkredite, Leasingverträge oder eine Immobilienfinanzierung bedienen: 51 Prozent der Befragten in Deutschland begleichen zur Zeit Schulden, 82 Prozent betrachten für den Kauf von Eigentum eine Kreditaufnahme als gerechtfertigt. Allerdings kauften zwei Drittel tatsächlich Auto oder Motorrad auf Kredit, ein Eigenheim finanzierte nahezu jeder Zweite. Jeder Fünfte lieh sich Mittel für die Modernisierung von Eigenheim und Wohnung, prozentual gleich auf liegen Ratenzahlungen für Haushaltsgeräte und Einrichtung. Typisch deutsch daran: Die Kreditaufnahme für nachhaltige, langjährig zu nutzende Anschaffungen. Anders die russischen Darlehensnehmer, wo Unterhaltungselektronik ganz vorn liegt: Ein Drittel aller Kredite insgesamt wird genommen, um Smartphone, PC oder Fernseher zu erwerben. Je 17 Prozent von Russen, aber auch US-Amerikanern verschulden sich für Urlaubsreisen, aber nur drei Prozent der Deutschen.

Emotionales Schuldenkonto: Nicht zahlen ist unmoralisch

78 Prozent der Deutschen geben an, bereits einmal Schulden gemacht zu haben; sieben Prozent kennen das Gefühl, diese nicht zurückzahlen zu können - und die Schufa kennt sie aus ihrem Datenbestand von über 67 Millionen Bundesbürgern. Obwohl sich faktisch drei von vier Verbrauchern als Schuldner outen, gibt die Mehrzahl an, Schulden eher zu vermeiden. Ein Widerspruch, bei dem anscheinend der Wunsch Vater des Gedankens ist: Immer weniger Deutschen gelingt es, trotz akzeptabler Bonität und Schufa-Score, wesentliche Beträge für Großanschaffungen anzusparen bzw. bar auf den Tisch zu legen. Trotzdem - 88 Prozent möchten ihre Verschuldung so gering wie möglich halten - eine Steigerung um neun Prozentpunkte im Vergleich zur Erststudie von 2015. In den USA und Russland fasst man das Thema mit 67 bzw. 76 Prozent anscheinend unkomplizierter an.

Berechtigte Ängste: Bei Jobverlust oder Trennung wird's eng

Nahezu die Hälfte aller deutschen Schuldner ächzen unter finanzieller Mehrfachbelastung. Trotzdem registriert die Schufa, dass Deutsche gemeinhin Rechnungen und Raten pünktlich zahlen - und so bei jeder Transaktion dazu beitragen, ihren Score zu verbessern. Dagegen zeigt der schlechte Score einer gewissen Minderheit: Die finanziellen Verpflichtungen stehen zu Einkünften und Vermögen in keinem passenden Verhältnis. Als Gründe für Probleme bei der Rückzahlung vermerkte die EOS Schuldenstudie auf Platz 1 Arbeitslosigkeit (29 Prozent), auf Platz 2 Überschätzung (24 Prozent) sowie Trennung mit 17 Prozent. Dabei zeigten sich regionale Unterschiede: In Ostdeutschland nannten 41 Prozent den Jobverlust als Grund für Rückzahlungsschwierigkeiten, im Norden 30 und im Westen Deutschlands 29 Prozent. Im Süden liegt dieser Wert mit nur 17 Prozent merklich niedriger.

Wie gut haben Deutsche ihre Finanzen im Überblick?

Die gute Nachricht: Fast alle wissen, wie viel sie noch schuldig sind! Nur geringe 3 Prozent geben an, hier keine Ahnung zu haben. Zum Vergleich: Bei den US-Amerikanern sind dies 15, in Russland 12 Prozent. Bei der Schuldenhöhe zeigte die Befragung, ähnlich wie bei dem Wunsch, Schulden zu vermeiden und diese tatsächlich zu machen, eine Diskrepanz: Während nur 38 Prozent der Deutschen angeben, dass über 300 Euro im Monat zur Schuldenregulierung vertretbar seien, zahlen tatsächlich deutlich mehr Bürger 300 Euro, etliche sogar über 750 Euro monatlich ab. Sache persönlicher Wahrnehmung: Beträge, die ich beim Immobilienkauf an Miete einspare, tauchen zwar als Schuldenlast wieder auf, werden aber subjektiv nicht mitgezählt.

Fazit: Deutsche verschulden sich, aber weiter ungern

Deutsche haben selten Rückzahlungsprobleme, so die Folgerung von Prof. Manfred Güllner, forsa. Erstaunlich findet Klaus Engberding, Geschäftsführung EOS, dass in Deutschland trotz aktuell guter Wirtschaftslage eine Stimmung gegen Verschuldung dominiert - einkommensstabile Zeiten und Zinslage seien beste Voraussetzungen, um größere Investitionen zu tätigen und Raten planmäßig zu begleichen. Die aktuelle Studie bestätige die Erfahrung des Unternehmens, dass Menschen in finanziellen Belangen überwiegend verantwortungsvoll handelten. Täten sie dies nicht, sei dies kein böser Wille: Bei der Mehrzahl der Konsumenten seien kurz- oder langfristige Probleme der Grund.

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