Der freie Onlinedienst zum Thema Selbstauskunft

Artikel vom 09.08.2022

Wohnung besichtigen? Nur noch mit Schufa-Selbstauskunft im Voraus



Schufa Selbstauskunft, Gehaltsnachweise & Co. vorlegen? Inzwischen regelmäßig Vorbedingung, um eine begehrte Wohnung überhaupt besichtigen zu dürfen. Für Mieter- und Datenschützer wie Mietervereine und Landesdatenschutzbeauftragte ein besorgniserregender Trend. Ist solch vermieterliche Datenneugier zulässig? Und haben Mietinteressenten, die diesen Daten-Striptease verweigern, trotzdem Chancen?

Wohnungstermin: Vermieter verlangen im Vorfeld umfangreiche Daten

Am besten, du schickst alle Dokumente - wie Schufa Selbstauskunft, Gehaltsnachweise, Mieterselbstauskunft und Vorvermieterbescheinigung - einfach vorher hin! Tipps, die sich wie selbstverständlich zuhauf in Online-Ratgebern zum Thema erste eigene Wohnung finden. Aber Frischlingen unter den Wohungssuchenden einen Bärendienst erweisen - weil es schlicht Fehlinfos sind. Der Datenschutz verlangt, dass Einkommen, Schufa und Mietschuldenfreiheitsbescheinigung erst Thema sind, wenn ernsthaftes Interesse an einem Mietvertrag besteht - nach der Wohnungsbesichtigung. Vermieter, die solche Auskünfte pauschal von allen Wohnungsinteressenten verlangen, machen sich strafbar. Vor und während der Besichtigung genügt eine Notiz mit Namen und Kontaktdaten. Das Formular zur Mieterselbstauskunft zur Bewerbersituation ist Interessenten erst danach auszuhändigen. Rechtlich korrekt handeln Vermieter, die diese nach dem Termin fragen, ob sie das Objekt mieten möchten. Hat ein Bewerber dies bejaht und möchte auch der Anbieter den Mietvertrag schließen, ist die Anfrage von Einkommensnachweisen erlaubt. Das Kopieren oder Einscannen amtlicher Dokumente wie Personalausweis etc. bleibt verboten.

Kontakt zwischen Vermieter und Interessent hat 3 Phasen

Der potenzielle Vermieter fordert eine Vorvermieterbescheinigung, die Ihre Zuverlässigkeit als pünktlicher Mietzahler belegt? Kein Vermieter ist verpflichtet, eine solche Bescheinigung auszustellen - als Wohnungsbewerber müssen Sie diesem Vorlagewunsch nicht nachkommen. Außerdem möchte nicht jeder seinen Vermieter mit der Nase darauf stoßen, dass er Auszugspläne hat! Um die Abläufe im Vermietungsprozess zu strukturieren, trafen die Datenaufsichtsbehörden einen Grundsatzbeschluss. Danach erfolgt der Kontakt zwischen Mietinteressent und Vermieter in drei Phasen - dem Zeitraum vor dem Besichtigungstermin, der vorvertraglichen Phase, während derer ein Interessent Interesse bekundet und der finalen Entscheidung des Vermieters für einen Interessenten als neuen Mieter.

Chancenbooster: Persönliche Sympathie im Erstkontakt

Sind Sie der ideale Mieter? Traumwohnung frei? Reihen Sie sich ein, in die Schlange der Wartenden. Oder Sie finden im Vorfeld heraus, ob sich eine solche Massenbesichtigung vermeiden lässt, indem Sie zu Makler oder Vermieter Kontakt aufnehmen und nachfragen: Ist diese Besichtigung als Einzel- oder Gruppentermin geplant? Falls Sie die Chance erhalten, das Mietobjekt allein zu sehen und sogar den Vermieter persönlich zu treffen, greifen Sie zu. Fassen Sie Ihr - sympathisches!- Anschreiben im Vorfeld kurz, knapp und sachlich ab. Eine Strategie, zu der übrigens auch viele Makler raten. Öfter als gedacht entscheidet der erste Eindruck, ob beim Jobinterview oder beim Wohnungstermin, denn beides ist ein Vorstellungsgespräch. So schätzen große Genossenschaften wie z. B. der Spar- und Bauverein Dortmund als Mieter für eine ihrer gut 12.000 bezahlbaren Wohnungen nach eigener Aussage Pünktlichkeit, ein gepflegtes, souveränes Erscheinungsbild und höfliches Auftreten. Wenn der oder die Neue dann noch Wert auf Gemeinsinn legt, passt der Interessent ins Bild. Für die Sozialbotschafterin im Immobilienverband Deutschland (IVD) ist der Abgleich, ob ein Kandidat zu Nachbarschaft und zum Vermieter selbst passt, sogar das wichtigste Auswahlkriterium - da Homogenität und Konfliktvermeidung zählten.

Authentischer Kontakt wichtiger als perfekte Unterlagen

Digitale Bewerbungsmappen mit lückenlosen Informationen im Vorfeld sieht sich die Maklerin dagegen kaum an: Der persönliche, authentische Kontakt ist für die Sozialbotschafterin effizienter und aufschlussreicher als perfekte Unterlagen. Zugeben - ein Vermieter-Direktkontakt funktioniert nicht, ohne dass Sie Persönliches verraten. Aber kann Ihre Chancen auf den Wohnungsschlüssel deutlich steigern! Vermieter interessiert es, warum Sie umziehen möchten, um zu erfahren, was für ein Mensch Sie sind - und ob die Chemie stimmt. Auch wenn Sie im Datenschutzsinne nicht dazu verpflichtet sind: Diese Karte auch in Vertragsverhandlungen zu spielen, kann sich auszahlen! Was Sie nicht tun sollten: Intime Daten ohne Not preisgeben, ohne zu wissen, ob dies Ihre Chancen erhöht.

Mieterbund: Vermieter begehen Nötigung

Knappheit diktiert die Regeln dessen, was Mietinteressenten über sich preisgeben. Dass der Deutsche Mieterbund Berlin konstatiert, Mietern bliebe gar keine andere Wahl, als alle Unterlagen vorzulegen, gleicht einer Bankrotterklärung. Ein fatales Signal angesichts der gravierenden Mängel, die der Mieterbund ständig bei der Einhaltung von Datenschutzrichtlinien feststellt. Müssen Interessenten angesichts der Enge auf dem Wohnungsmarkt wirklich vor der Dreistigkeit von Vermietern und Maklern kapitulieren, die schon beim Erstkontakt umfangreichste Datensätze verlangen? Bei allem Verständnis für Vermieterwünsche nach zahlungskräftigen Mietern: Erlaubt ist gem. Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) nur, was erforderlich ist - die aktuell praktizierte Vorratsdatenspeicherung durch Vermieter gehört nicht dazu. Mieter-Datenschutz ist keine rechtliche Grauzone. Gegen den aktuellen Trend gibt es ein Mittel: Anzeige erstatten! Denn Verstöße gegen das BDSG sind Ordnungswidrigkeiten, bei denen Vermietern und Maklern Bußgelder von bis zu 300.000 Euro drohen.


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