Artikel vom 24.05.2018

Wegen Insolvenz geschlossen: Creditreform-Studie misst Pleiterisiko



Herne hat es Rot auf Weiß: Das Risiko für Unternehmen, pleite zu gehen, ist hier deutschlandweit am größten. Bekannt dafür, fortlaufend Wirtschaftsdaten auszuwerten, präsentiert die Creditreform jetzt die Ergebnisse ihrer neuesten Untersuchung: "Pleiterisiko für Unternehmen im Ruhrgebiet 2017". Doch wie schneiden der Rest des Reviers, wie Deutschland und Europa insgesamt ab?

Schlusslicht Kreis Herne: Größtes Insolvenzrisiko bundesweit

Bereits zum 15. Mal untersuchte die Wirtschaftsauskunftei das Insolvenzrisiko deutscher Unternehmen. Die Basis: Mehr als 4,2 Millionen Firmendatensätze und stichtagbezogene Selektionen. , mit Unternehmenszahl und ausgefallenen Firmen pro Region. Größen, die in einen Creditreform-Risikoindikator (CRI in Prozent) münden - das Instrument, dass das Pleiterisiko nach Region, Branche, Rechtsform und Umsatz misst. Einschätzungen von Gewicht - schließlich handelt es sich bei der Creditreform und ihren 130 regionalen Vereinen um einen Zusammenschluss mit 123.000 Mitgliedsunternehmen sowie 176 Geschäftsstellen europaweit. Auf der farbigen Creditreform-Karte der Risikoklassen aller deutschen Kreise - von 1 bis 6 - profiliert sich Herne als tiefroter Fleck, bundesweit konkurrenzlos. Denn den größten Teil der Deutschlandkarte bedeckt kräftiges bis helles Grün - für (sehr) geringes Ausfallrisiko. Kaum auszumachen dagegen: Die farbigen Zonen für mittleres und erhöhtes Risiko. Für Schlusslicht Herne ermittelte die Auskunftei ein Pleiterisiko von 3,23 Prozent, verglichen mit 1,4 Prozent bundesweit: Von 4400 Unternehmen mussten hier 2017 mehr als 140 Insolvenz anmelden. Auf Platz zwei des Negativrankings landete Mülheim (2,57 Prozent), vor Duisburg, Oberhausen und Gelsenkirchen.

Gast- und Baugewerbe unter 500.000 Umsatz: Höchstes Ausfallrisiko

Die übrigen Kommunen besetzen das Mittelfeld. Etwas entspannter zeigt sich die Lage in Dortmund (1,75 Prozent). Mit 1,36 Prozent und bester Risikoklasse 1 ragt der Kreis Unna heraus, dem es glückte, sein Pleiterisiko 2017 erneut zu senken. Creditreform Experten prognostizieren Unna eine positive Zukunft: Für 2018 wird ein erneuter Rückgang von 1,33 Prozent erwartet. Sehr sichere Geschäfte, so Wolfgang Scharf, Geschäftsführer Creditreform Dortmund/Witten: Das niedrigste Ausfallrisiko trügen Unternehmen mit über fünf Millionen Euro Jahresumsatz, das höchste Firmen mit unter 500.000 Euro. Unter Branchenaspekten betrachtet, standen vor allem Gast- und Baugewerbe auf der Kippe.

Deutschland im Hoch: CRI bei 1,43

2017 brummte die Konjunktur wie selten - und ließ das Bruttoinlandsprodukt von 1,9 Prozent in 2016 auf 2,2 Prozent klettern. Diese positive Entwicklung spiegle sich auch im Ausfallrisiko von Unternehmen, so Scharf. Ganz Deutschland betrachtet, steht der Risikoindikator für 2017 bei 1,43 Prozent, verglichen mit noch 1,61 Prozent im Jahr davor. Wenngleich sich der Ruhrgebietskreis Herne nicht mit Ruhm bekleckert: Auch dort konnte das Pleiterisiko seit der allerersten Creditreform Untersuchung 2003 um 1,14 Prozent sinken - und erstmal die Zone geringen Ausfallrisikos, die zweitniedrigster Stufe, erreichen.

Aufschwung: Auch Europa erholt sich

Trotz Brexit und Handelsstreit mit den USA: Wirtschaftsaufschwung und günstige Finanzierungskosten lassen Insolvenzzahlen insgesamt zurückgehen. In Westeuropa (EU-15-Staaten plus Norwegen und Schweiz) registrierte man 2017 in der Summe 164.181 Unternehmensinsolvenzen, verglichen mit 171.413 in 2016 - der niedrigste Stand seit 2008. In greifbaren Zahlen: Über 7.200 Unternehmen, die das Handtuch nicht werfen mussten! Ein Trend, der sich - mit 12,8 Prozent Pleiten weniger - auch auf Mittel- und Osteuropa erstreckte.

Mehr Firmenpleiten - von Griechenland bis Schweiz

Nur sechs von 17 der durch die Creditreform untersuchten Länder verzeichnen eine Zunahme an Insolvenzen, darunter Griechenland (+ 11,1 Prozent), Belgien (+ 8,7 Prozent) und Schweden (+ 6,2 Prozent). Einen immensen Anstieg auf gut ein Drittel musste die Türkei verschmerzen - von 11.038 auf 14.700 Insolvenzfälle. Überraschend? Auch die Schweiz (+ 2,8 Prozent) und Großbritannien (+ 2,4 Prozent) erlebten mehr Firmenpleiten. Und Deutschlands Unternehmen? Können auf einen positiven Rückgang von ganzen 6,6 Prozent blicken. Froh, selbst mit Stabilität zu glänzen - und ihr Stück vom Konjunkturkuchen zu genießen.

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