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Artikel vom 22.08.2022

Verkauf der Schufa vom Tisch: Bankenverbände verhindern schwedische Mehrheit



Geht die Schufa an einen ausländischen Finanzinvestor?, hieß die Frage, die noch zu Jahresanfang im Raum stand. Daten- und Verbraucherschützer waren alarmiert: Schließlich besitzt Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei umfangreichste, detaillierte (Bonitäts-)Daten zu nahezu jedem geschäftsfähigen Bürger. Jetzt haben Banken und Sparkassen Fakten geschaffen.

Schufa zwei Milliarden schwer, 249 Mio. Umsatz

Nach eigenen Angaben verwaltet die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, 1,1 Milliarden Informationen zur Kreditwürdigkeit von über 68 Millionen Privatleuten und mehr als sechs Millionen Unternehmen. Allein 2021 machte die Schufa einen Umsatz von knapp 249 Millionen Euro; der Wert des Unternehmens wurde auf zwei Milliarden Euro taxiert. Das weckte Begehrlichkeiten: Nachdem das Kartellamt grünes Licht gegeben hatte, plante die EQT Partners AB, Stockholm - bereits im Besitz eines großen Schufa-Anteils - seinen Einfluss durch die Übernahme von Beteiligungen des französischen Bankhauses Société Générale auszuweiten und weitere zu erwerben. Ein Vorhaben, das auch eine Initiative auf den Plan rief, die Stimmen in sechsstelliger Zahl gegen den Schufa-Verkauf sammelte.

Deutsche Bankenverbände stoppen ausländische Mehrheit

Nun haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken von ihrem Vorkaufsrecht als Bestandsaktionäre bei den Beteiligungen der französischen Großbank Gebrauch gemacht. Nach den Volks- und Raiffeisenbanken im Juni 2022 zogen jetzt auch die Sparkassen nach. Zwar nur geringfügig, aber ausreichend, um gemeinsam mit den Genossenschaftsbanken über die Hälfte der Anteile zu halten. Während letztere ihren Anteil an der Schufa von 20,5 auf nun 27,2 Prozent aufstockten, halten die Sparkassen jetzt 27,3 Prozent. Wieso ist dies von so großer Bedeutung? Sparkassen betreuen etwa 36 Millionen, die VR-Banken um 27 Millionen Konten - und auch Deutsche Bank, Commerzbank und deutsche Handelsgesellschaften sind an der Schufa beteiligt. Für das Kreditgeschäft sind Bonitätsinformationen unverzichtbar und immanenter Bestandteil von Bankensystem und Arbeitsweise. Verbraucher, die erfahren möchten, welche Daten die Schufa zu ihnen persönlich gespeichert hat, können dort einen Antrag auf kostenlose Selbstauskunft stellen.

Schufa-Entscheidungen: Kontrolle weiter in deutscher Hand

Daniel Quinten, Vorstandsmitglied VR-Banken, betont Akzeptanz und Vertrauen, welche die Schufa bei Verbrauchern, Handel und Banken genieße. Entsprechend konnte die Teambank in ihrer Funktion als Verwalter der Anteile der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken mit der Entscheidung vom Juni ein Wanken der bisherigen stabilen Mehrheitsverhältnisse verhindern - im Sinne der Verbraucher und des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Nur so, so Quinten, sei die Neutralität der Wirtschaftsauskunftei langfristig garantiert. Und wirft der EQT vor, nur ungenutztes Wachstumspotenzial abschöpfen und noch mehr Umsatz generieren zu wollen.

Ende gut, alles gut? EQT will weiter dranbleiben

Aktuell hält die genossenschaftliche Finanzgruppe zusammen mit den Sparkassen die Mehrheit an Deutschlands größter Auskunftei. Aber Finanzinvestor EQT will noch nicht aufgeben: Schließlich war sein erklärtes Ziel die komplette Übernahme der Schufa. Die unklare Frage, was bei einem Verkauf des riesigen Datenpools geschehen könnte, wird Datenschützer vermutlich weiter beschäftigen. Zwar sitzt EQT in Schweden und ist dadurch grundsätzlich an EU-Datenschutz gebunden. Doch - wie nicht zuletzt der Streit um Facebook und Meta zeigte - sehen Deutschland und EU die Speicherung sensibler Daten im Ausland durchaus skeptisch.


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