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Artikel vom 07.08.2014

SCHUFA®* - Streit um Scoring geht in die nächste Runde



Für Kreditsuchende in Deutschland ist die SCHUFA®* oder eine ähnliche Wirtschaftsauskunftei eine obligatorische Hürde, denn jede Bank benutzt eine derartige Bonitätsauskunft bei ihrer Entscheidung. Problematisch wird es, wenn die Informationen negativ ausfallen. Die Art der Daten und deren Wichtung in der Beurteilung gehören zu den extrem gehüteten Geheimnissen, denen bislang nicht einmal der Bundesgerichtshof zu Leibe rücken wollte.

Datensammlung - wie weit reicht sie?

Grundsätzlich beruft sich die SCHUFA®* auf die Informationen, die von den angeschlossenen Vertragspartnern, wie zum Beispiel Banken, Dienstleister und Handelsunternehmen, zum jeweiligen Bürger geliefert werden. Fällt eine Zahlung aus und es kommt zum Mahnverfahren, werden Kredite nicht planmäßig zurückgeführt oder müssen gekündigt werden, gehen die Daten umgehend an die SCHUFA®* - die daraus ihren Scoring-Wert ermittelt. Wie der NDR ermittelte, fließen durchaus auch weit darüber hinausgehende Informationen in die immer noch unbekannte Berechnung mit ein: Die Arbeitslosenquote im betreffenden Stadtteil wird ebenso berücksichtigt wie die Zeit, die die zu beurteilende Person an der gemeldeten Anschrift wohnt oder über eine Bankverbindung verfügt.

Bewertung - wie wirkt sie sich aus?

Im Grunde müsste jedem deutschen Bürger an der Offenlegung der Berechnungsformel und der Wichtung der einzelnen Daten gelegen sein, denn das Urteil der SCHUFA®* wirkt sich in vielen Beziehungen aus. Nicht nur die Telefon- oder Stromanbieter, auch viele weitere Dienstleister und vor allem Banken ziehen vor ihrer Entscheidung eine Bonitätsauskunft ein. Insbesondere aber Gewerbetreibende und Unternehmen können betroffen sein, wie die Reportage "Zoom" des ZDF eindrücklich belegte. Gastronomen werden daran gehindert, im Großhandel einzukaufen, weil die SCHUFA®*-Auskunft nicht befriedigend ausfiel, Handwerkern ging es ähnlich. Damit wird die Existenz von Selbständigen gefährdet, weil sie für ihr Geschäft ganz einfach keine Waren mehr zum eingeplanten Preis beziehen können.

Identität - wie oft passiert Verwechslung?

Fatal ist, dass nicht zuletzt auch ganz profane Verwechslungen die Ursache für negative SCHUFA®*-Auskünfte sein können. Schon die ZDF-Reportage wies einige Fälle nach, in denen die SCHUFA®* die falschen Daten herausgab, was sich für die Betroffenen verheerend ausgewirkt hat. Auch eine Auswertung von "Finanztest" brachte ans Tageslicht, dass rund 37 Prozent der Datensätze zumindest veraltet, aber eben auch fehlerhaft seien. Jeder Bürger sollte also die Möglichkeit der kostenlosen Selbstauskunft bei der SCHUFA®* nutzen, die ihm einmal pro Jahr zusteht, um zumindest die dort gelisteten Daten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Allerdings bleibt die Frage offen, welche weiteren Informationen in die Beurteilung der Bonität einfließen.

Bundesverfassungsgericht - wird es verhandeln?

Der aus der Medien bekannte Fall einer 55-jährigen Dame aus Hessen, die Anfang des Jahres eine Klage gegen die SCHUFA®* vor dem Bundesgerichtshof verloren hatte, wird nun in die nächste Runde gehen. Sie hatte die Ablehnung einer Autofinanzierung hinnehmen müssen, weil sie wegen ihrer SCHUFA®*-Auskunft als nicht kreditwürdig eingestuft worden war. Allerdings war sie weder von Zahlungsproblemen noch Mahnverfahren oder ähnlichen Vorfällen belastet, sodass sie der Sache nachging. Die SCHUFA®* musste demnach auch einräumen, dass eine Verwechslung der Datensätze vorlag. Bereits im März haben ihre Anwälte Verfassungsbeschwerde eingereicht, bislang fehlt noch eine Reaktion der Verfassungshüter. Der Umgang mit diesem Fall wird richtungsweisend für die Zukunft sein und darf mit Spannung erwartet werden.


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